Explain — Modul 7
EU AI Act & Art. 4: KI-Kompetenz verstehen
Das KI-Gesetz der EU verstehen: Risikostufen, KI-Kompetenz-Pflicht und was das für Ihr Unternehmen bedeutet.
Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) ist am 1. August 2024 in Kraft getreten. Seit 2. Februar 2025 gelten erste Vorschriften — darunter die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4. Die meisten Pflichten werden ab 2. August 2026 verbindlich.
Artikel 4 verpflichtet alle Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, ausreichende KI-Kompetenz sicherzustellen — branchenunabhängig und ohne Größenschwelle. Wer ChatGPT, Copilot oder andere KI-Tools im Arbeitsalltag nutzt, ist Betreiber im Sinne des Gesetzes.
In diesem Modul erfahren Sie, wie der EU AI Act aufgebaut ist, was Artikel 4 konkret fordert und können interaktiv testen, wie gut Ihre Organisation vorbereitet ist.
Die vier Kernpflichten des EU AI Act
1. Risikobasierter Ansatz
KI-Systeme werden nach Risiko klassifiziert: verboten, hochriskant, begrenzt oder minimal. Je höher das Risiko, desto strenger die Auflagen.
2. KI-Kompetenz (Art. 4)
Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen sicherstellen, dass die beteiligten Mitarbeitenden und Beauftragten über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Diese Pflicht ist rollen- und kontextbezogen.
3. Transparenzpflichten
Nutzer müssen wissen, wenn sie mit KI interagieren. KI-generierte Inhalte müssen als solche erkennbar sein.
4. Governance & Durchsetzung
Nationale Behörden überwachen die Einhaltung. Bußgelder bis 35 Mio. € / 7 % Umsatz (verbotene Praktiken) bzw. bis 15 Mio. € / 3 % (andere Verstöße).
Zeitplan des Inkrafttretens:
- 2. Feb. 2025: Art. 4 KI-Kompetenz + Verbot bestimmter KI-Praktiken
- 2. Aug. 2025: Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI)
- 2. Aug. 2026: Vollständige Anwendung inkl. Hochrisiko-Systeme
Artikel 4: Die KI-Kompetenz-Pflicht
Art. 4 EU AI Act — Originaltext (vereinfacht):
“Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Maßnahmen, um [...] sicherzustellen, dass ihr Personal und andere in ihrem Auftrag tätige Personen über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen, wobei ihre technischen Kenntnisse, ihre Erfahrung, ihre Ausbildung und Schulung [...] sowie der Kontext, in dem die KI-Systeme eingesetzt werden sollen, zu berücksichtigen sind.”
Was bedeutet “ausreichende KI-Kompetenz”?
- Funktionsverständnis: Grundlegende Funktionsweise von KI-Systemen verstehen — was können sie, was nicht?
- Risikobewusstsein: Mögliche Risiken und Schäden kennen — Halluzinationen, Bias, Datenschutz, Manipulation
- Kritische Bewertung: KI-Ergebnisse einordnen und hinterfragen können — nicht blind vertrauen
- Kontextangemessenheit: Das Kompetenzniveau muss zur jeweiligen Rolle passen — ein HR-Team braucht anderes Wissen als die IT-Abteilung oder die Geschäftsführung
Wichtig: Art. 4 gilt seit dem 2. Februar 2025 — also bereits jetzt. Es ist keine zukünftige Anforderung, sondern geltendes Recht.
Die Risikopyramide
Der EU AI Act folgt einem risikobasierten Ansatz: Je höher das Risiko eines KI-Systems für Grundrechte und Sicherheit, desto strenger die Anforderungen.
🚫 Verboten (Art. 5)
Social Scoring durch Behörden, biometrische Echtzeit-Fernidentifikation in öffentlichen Räumen, Manipulation durch unterschwellige Techniken, Ausnutzung von Schutzbedürftigkeit. Diese Systeme sind grundsätzlich verboten.
⚠️ Hochrisiko (Art. 6, Anhang III)
KI-gestützte Personalauswahl, Kreditwürdigkeitsprüfung, Strafverfolgung, Migrationskontrolle, Bildungszugang. Erfordert: Risikomanagement, Datenqualität, Transparenz, menschliche Aufsicht und Konformitätsbewertung.
📋 Begrenztes Risiko (Art. 50)
Chatbots, Deepfakes, KI-generierte Texte und Bilder. Hauptpflicht: Transparenz — Nutzer müssen wissen, dass sie mit KI interagieren (Kennzeichnungspflicht).
✅ Minimales Risiko
Spam-Filter, Empfehlungsalgorithmen, KI-Übersetzungstools, Textkorrektur. Keine spezifischen Anforderungen — aber Art. 4 KI-Kompetenz gilt trotzdem!
Merke: Art. 4 (KI-Kompetenz) gilt über alle Risikostufen hinweg — auch für minimales Risiko. Es ist die einzige Pflicht, die wirklich für alle gilt.
KI-Risikostufen einordnen
Sie kennen jetzt die vier Risikostufen. Testen Sie Ihr Verständnis: Ordnen Sie typische KI-Anwendungen den richtigen Risikostufen zu.
Automatisiertes Bewerbungsscreening
KI sortiert Bewerbungen vor und empfiehlt Kandidaten für Vorstellungsgespräche
Compliance Self-Check
Wie gut ist Ihre Organisation auf Art. 4 vorbereitet? Gehen Sie die Checkliste durch und bewerten Sie, wo Sie stehen.
Bestandsaufnahme
Wir haben einen Überblick, welche KI-Systeme in unserer Organisation eingesetzt werden.
Richtlinien
Wir haben eine KI-Nutzungsrichtlinie, die allen Mitarbeitenden bekannt ist.
Schulung
Mitarbeitende erhalten regelmäßige Schulungen zur KI-Nutzung.
Die Schulungen sind auf die Rollen und Einsatzkontexte der Mitarbeitenden zugeschnitten.
Dokumentation
Wir dokumentieren durchgeführte Schulungen und Kompetenzmaßnahmen.
Risikobewertung
Wir haben bewertet, ob unsere KI-Anwendungen unter Hochrisiko-Anforderungen fallen.
Organisation
Es gibt eine verantwortliche Person oder Stelle für KI-Compliance in unserer Organisation.
Fortlaufend
Wir aktualisieren unsere KI-Richtlinien und Schulungen regelmäßig.
Beantworten Sie alle 8 Fragen, um Ihre Auswertung zu sehen. (0/8 beantwortet)
Key Takeaways
- 1Art. 4 gilt jetzt — der EU AI Act ist seit 1. August 2024 in Kraft, die KI-Kompetenzpflicht seit 2. Februar 2025 geltendes Recht. Die meisten weiteren Pflichten greifen ab 2. August 2026.
- 2Für alle — die Pflicht betrifft jeden, der KI nutzt oder betreibt, unabhängig von Branche, Unternehmensgröße oder Risikostufe.
- 3Vier Kompetenzen — Funktionsverständnis, Risikobewusstsein, kritische Bewertungsfähigkeit und Kontextangemessenheit.
- 4Risikobasiert — der EU AI Act kennt vier Stufen von verboten bis minimal. KI-Kompetenz gilt für alle Stufen.
- 5Nachweisbar — Schulungen dokumentieren, KI-Richtlinien etablieren, regelmäßig aktualisieren. Dieser Workshop ist ein Baustein davon.
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